Sänger und Sängerinnen

Die in der Leopoldstadt aufgeführten Theaterstücken enthielten oft Musik und Couplets, daher fungierten die Schauspieler in der Regel auch als Sänger.
Therese Krones (1801-1830) trat viele Jahre im Theater in der Leopoldstadt auf. 1826 verkörperte sie die „Jugend“ in Ferdinand Raimunds (recte Ferdinand Jakob Raimann 1790-1836) Stück «Der Bauer als Millionär», in dem sie das Lied «Brüderlein fein» sang.
Johann Nestroy (1801-1862) – Jurist, Opernsänger, Theaterdichter und von 1854 bis 1860 Direktor des Carltheaters – stand nicht nur in eigenen Stücken auf der Bühne, sondern sang und spielte auch in Operetten von Jacques Offenbach.
Eine der beliebtesten Operettensoubretten ihrer Zeit war Mizzi Zwerenz (1876-1947). Sie spielte am Carltheater, im Lustspieltheater und in „Venedig in Wien“. Zeitweise wohnte sie zusammen mit ihrem Mann, dem Sänger Arthur Guttmann (1877-1956), in der Leopoldstadt.
Auch andere Künstler, die an den Theatern im 2. Bezirk auftraten, wohnten dort. Beispiele dafür sind Mitzi Dotzauer, Betty Stojan und Helene Merviola.
Fritz Werner, der über 200mal den „Niki“ in «Ein Walzertraum» sang und später mehrmals im Carltheater gastierte, residierte 1910 im Hotel „Austria“ am Praterstern. Er wurde u. a. mit dem k.u.k. Goldenen Verdienstkreuz und der k.u.k. Franz-Josefs-Medaille ausgezeichnet.
Alexander Girardi (1850-1918) spielte oft in der Leopoldstadt, z. B. in der Operette «Die Schützenliesel» (Musik Edmund Eysler recte Eisler 1874-1949, Text Leo Stein recte Rosenstein 1861-1921 und Carl Lindau recte Karl Gemperle 1853-1934).
Louis Treumann (recte Alois Pollitzer 1872-1943) wuchs in der Leopoldstadt auf. Von 1899 bis 1905 war er als Gesangskomiker am Carltheater engagiert. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er als „Danilo“ in Franz Lehárs Operette «Die lustige Witwe» 1905 im Theater an der Wien. Danach kam Treumann mehrmals als Gast ans Carltheater zurück, u. a. spielte er 1921 in der Uraufführung von «Die Bajadere» von Emmerich Kálmán (1882-1953). Im Februar 1942 wurde Treumann vom Sammellager in der Oberen Donaustraße 111 aus nach Theresienstadt deportiert, wo er starb.
Mizzi Günther verh. Pawlowski (1879-1961) war oft Treumanns Bühnenpartnerin, am Carltheater und als „Hanna Glawari“ in «Die Lustige Witwe» im Theater an der Wien. Auch sie wohnte zeitweise in der Leopoldstadt.
Die Volksschauspielerin Hansi Niese (1875-1934) hatte 1907 großen Erfolg in der Hauptrolle der Operette «Die Försterchristl» (Musik Georg Jarno 1868-1920, Text Bernhard Buchbinder 1849-1922), die abwechselnd im Theater in der Josefstadt und im Lustspieltheater lief. Nieses Ehemann Josef Jarno (1866-1932) war damals Direktor beider Häuser.
Auch die Sängerin Dora Keplinger (1876-1949) wohnte mit ihrem Mann, dem Kapellmeister Siegmund Eibenschütz (1856-1922) der ab 1907 das Carltheater leitete, in der Leopoldstadt. Nach dem Tod ihres Ehemanns führte sie das Carltheater bis zur Schließung 1929 weiter.